Funktioniert das Pareto Prinzip wirklich?

Die Pareto 80 20 Regel – die Zauberformel für maximales Einkommen durch geringst möglichen Einsatz?

Vilfredo Pareto untersuchte die Verteilung des Volksvermögens in Italien und fand heraus, dass ca. 20% der Familien ca. 80% des Vermögens besitzen. Banken sollten sich also vornehmlich um diese 20% der Menschen kümmern und ein Großteil ihrer Auftragslage wäre gesichert (schau mal bei Wikipedia ).

Das Pareto Prinzip besagt, dass 20% des Inputs für 80% des gesamten Outputs sorgen, oder 80% der Aktiengewinne werden von 20% der Anleger gemacht. Viele Aufgaben lassen sich mit einem Mitteleinsatz von ca. 20%  zu 80% erledigen. Allerdings wirklich nur 80, nicht 90 oder 99%!

Dabei fallen mir drei Punkte auf:

  • Kann ich die magischen 20% überhaupt identifizieren?
  • Auch für zukünftige Aufgaben?
  • Sind es immer genau diese 20%?

Wenn! ich die entscheidenden 20% benennen kann, muss ich mich um die übrigen 80% schon mal nicht mehr kümmern und spare viel Zeit und Aufwand. Aber hängen die Ergebnisse oft nicht von vielen Ereignissen ab, die zusammenspielen? Womöglich eliminiere ich versehentlich die wichtigen.

Angenommen, ich verkaufe ein bestimmtes Produkt: Kommen die Kaufaufträge immer von denselben 20% der Kunden? In der ersten Woche kann ich die 20% identifizieren, die mir 80% des Umsatzes generiert haben. Fraglich ist nun, ob diese Kunden das Produkt so schnell  weiterverkaufen, dass sie in der folgenden Woche wieder genauso viel kaufen. Womöglich muss ich andere Käufer akquirieren? Die neuen 20% kämen dann aber aus der Menge der 80%, die ich letzte Woche aussortiert habe.
Die entscheidenden 20% kann ich jeweils erst im nachhinein bestimmen, wenn ich die Ergebnisse analysiere. Die magischen 20% variieren womöglich jedes Mal. Ist der Zeitraum lang genug, war letztlich fast jeder mal Teil der magischen 20%.
Damit ist das Pareto Prinzip für Aussagen über zukünftige, gewinnbringende Handlungen nutzlos.

Vielleicht kann man einige Aktivitäten identifizieren, die niemals in die Gruppe der magischen 20% gehören und diese ohne negative Auswirkungen eliminieren ebenso wie einige Aktivitäten, die offensichtlich einen Beitrag zur Erreichung der 80% beitragen.

Man benötigt in jedem Fall

  • Zeit
  • Sorgfältige Beobachtungen und eine große Stichprobe
  • gute Aufzeichnungen
  • Ausdauer und Reflexion

Das Pareto Prinzip ist nicht die universelle Entscheidungshilfe, die man schnell mal anwenden kann.

Nicht zu vernachlässigen ist auch die Definition des Ziels. Also die 80%, die ich mittels der magischen 20% erreichen will. Die Anwendung der 80-20-Regel setzt voraus, dass ich zunächst meine Ziele betrachte und erst dann aktiv werde. Auch hier muss ich die  entscheidenden 80% aus meinem 100%-Ziel herausfiltern. Vielleicht so:

100% Ziel = must + nice to have + funny idea

80% Ziel = must + nice to have

Habe ich nun mein Ziel definiert und die magischen 20% annährend heraus gefunden, kann man versuchen, Dinge zu eliminieren, die nur wenig zu den eigenen Zielen beitragen und Stärken identifizieren und multiplizieren. Freunde, Kunden oder Freizeitaktivitäten kann man so auf den Prüfstand stellen.

Welche 20% aller Vorkommnisse verursachen 80% meiner Probleme?

Welche 20% aller Aktivitäten sorgen für 80% der gewünschten Ergebnisse?

Welche Werbemaßnahmen für ein Blog generieren 80% aller Zugriffe?

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5 Antworten auf „Funktioniert das Pareto Prinzip wirklich?“

  1. „Das Pareto-Prinzip ist nicht die universelle Entscheidungshilfe, die man schnell mal anwenden kann.“ stimmt nur dann, wenn das Ziel nicht klar ist.

    Bei Zielklarheit kann die durchgeführte Handlung in dem Maße gemessen werden, in der sie effektiv einen Teil der Wegstrecke zum Ziel bewältigen hilft. Das kann so unglaublich schnell funktionieren (messen, kontrollieren), dass einige Menschen es nicht wahrhaben wollen. Die Selbstkontrolle zeigt uns nämlich schmerzlich unsere bisherigen Gewohnheiten auf.

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