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Swap-basierte ETFs – welche Geschäfte laufen da im Verborgenen?

Die Kreditkrise beschert den börsengehandelten Indexfonds einen großen Nachfrageschub, aber wie transparent sind Indexfonds und ETFs wirklich?

Alle ETFs haben gemeinsam, dass man sie über Börsen täglich schnell handeln kann und ihre Gebühren so zwischen 0,12 und 0,85% liegen. Damit hören die Gemeinsamkeiten aber oft schon wieder auf, denn jeder Anbieter baut sich seinen ETF mit anderen Instrumenten zusammen.

Herausforderungen für ETFs

Normalerweise hält der ETF die seiner Indexstruktur entsprechende Zahl von Wertpapieren im Fonds. Das gilt jedoch nicht für sogenannte Swap-basierte ETFs. Zu solchen Mitteln wird gegriffen, weil traditionelle ETFs beim Halten der effektiven Wertpapierbestände einige Herausforderungen meistern müssen:

  • ein Index hat zwar eine stabile Struktur, er wird jedoch hin und wieder angepasst, dann entstehen dem ETF Anpassungsaufwendungen durch Handelskosten
  • außerdem kann die steuerliche Behandlung von Dividenden bei der Berücksichtigung im Portfolio Probleme bereiten, Dividenden werden in manchen Ländern erst mit großem Zeitverzug gutgeschrieben, das heißt: der Fonds muss beispielsweise bei irischen Titeln 42 Tage, bei japanischen im Schnitt sogar 74 Tage auf die Gutschrift warten, so lange muss er auf die Wiederanlage der Ausschüttungen verzichten, während sie im Index bereits berücksichtigt ist

Der Swap

Durch diese  Kosten entstehen dem ETF Renditenachteile gegenüber dem Index und das Versprechen, genau und stabil die Index-Performance widerzuspiegeln könnte nicht eingehalten werden. Die Anbieter räumen die geschilderten Probleme dann durch ein Tauschgeschäft aus: Sie treten in einen Swap mit einem Partner ein, meist dem Mutterkonzern. Alle Risiken werden auf den Swapanbieter abgewälzt, der die Indexperformance garantiert und den Gegenwert an den ETF zahlt.
Der Swap wird als Vertrag zwischen dem Sondervermögen und einem Kontrahenten (meist eine Investmentbank) geschlossen und darf bis zu 10% des Wertes des Fonds ausmachen. Im Falle der Insolvenz des Swapkontrahenten kann das Sondervermögen also einen Verlust von bis zu 10% erleiden.

IShares hat z.B. im DJ Euro Stoxx teilweise Aktien durch Zertifikate ersetzt, um so die Besteuerung von Auslandsdividenden zu umgehen.

Wie kommen japanische Aktien in einen DAX ETF?

Die Deutsche Bank zahlt der Tochter DB x-trackers die Gewinne oder Verluste aus der Entwicklung des DAX und erhält dafür die Performance aus einem japanischen Aktienmix.

Liest sich im Prospekt so:

Zur Erreichung des Anlageziels wird der Teilfonds unter Einhaltung der Anlagebeschränkungen in erster Linie in übertragbare Wertpapiere investieren und zudem derivative Techniken einsetzen, wie zum Beispiel mit einem Swap-Kontrahenten zu marktüblichen Bedingungen ausgehandelte Index-Swaps (die „OTC-Swap-Transaktion „).

Und sieht im Halbjahresbericht so aus:

db-x-trackers

10% Restrisiko

Diese Problemlösungen gibt es aber nur für das Eingehen eines Restrisikos. Und das würde sich dann materialisieren, wenn der Swappartner ausfällt, sprich die Bank in Schieflage gerät. ETF Gelder werden als Sondervermögen behandelt und gehören damit bei einer Pleite der Fondsgesellschaft oder Bank nicht in die Konkursmasse. Beim Konkurs der Fondsgesellschaft oder Depotbank werden die Papiere des Fonds zum aktuellen Wert verkauft und der Gegenwert an die Anleger ausgezahlt. Maximal 10% können dabei verloren gehen, genau der Teil der als Swap Geschäft in das Fondsvermögen einfließen darf.

Pure Indexing

Bei einem einfachen DAX ETF wären Swap-Geschäfte eigentlich nicht nötig und daher werden diese Produkte von einigen Marktteilnehmern auch abgelehnt. So z.B. von ETFlab . ETFlab gehört zur Sparkasse ist erfolgreich mit herkömmlichen Index-Nachbauten, in denen das drin ist, was drauf steht. Aber auch hier trickst man, um verlorengegangene Prozentpunkte aus Verwaltungskosten und Steuerabzug durch Wertpapierleihgeschäfte wieder rein zu holen. So verleiht man Aktien an Hedgefonds und bekommt dafür Gebühren. Aufgrund der derzeitigen Marktturbulenzen hat man sich aber entschlossen, eine Dividendenoptimierung des Sondervermögens mit Hilfe von Zertifikaten nicht mehr vorzunehmen.

Zusammengefasst muss man also unterscheiden zwischen

  1. der Full Replication oder dem puren Indexing (Nachbildung des Index mit den Original-Wertpapieren des Index)
  2. und einer indirekten Nachbildung des Index mit Hilfe von Derivaten. Die indirekte Replikationsmethode bedient sich dem Einsatz von Swaps um die Performance eines Index nachzuvollziehen.

Fazit

Ein Blick in den Verkaufsprospekt und den Jahresbericht zeigt also, dass ein vermeintlich langweiliger und einfach gestrickter Indexfonds womöglich doch gar nicht so langweilig ist, wie man zunächst denkt!

Wer mehr lesen möchte: Finanztest 02/2009 informiert über die verborgenen Geschäfte der Fondsmanager und gibt Tipps zum Thema und in der Wirtschaftswoche 13/2009 findet man auch einen Artikel zum Thema.

Meine Artikelserie zu John Bogle’s Index Investing


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