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CRB Index – der älteste Rohstoffindex

  • 1957 erstmals vom Commodity Research Bureau (CRB) berechnet
  • enthielt anfänglich insgesamt 28 Rohstoffe, darunter auch Eier, Zwiebeln, Kartoffeln und Schweinefett
  • im Laufe der Jahre änderte sich die Zusammensetzung mehrfach und die Anzahl der enthaltenen Rohstoffe nimmt immer mehr ab
  • 2001 wandelte sich der Name in: Reuters CRB Index, 2005 in Reuters/Jefferies CRB Index
  • seit 2009 läuft er unter der Bezeichnung Thomson Reuters/Jefferies CRB Index (TRJ/CRB), das reflektiert den Zusammenschluss von Reuters und der Thomson Corporation zum Medienkonzern Thomson Reuters

Wesentliche Änderung des Indexkonzepts

2005 änderte sich das Indexkonzeptes grundlegend. Bis dahin ging für jeden Rohstoff jeweils der Durchschnitt der Futures-Kontraktpreise von mehreren Fälligkeiten in die Indexberechnung ein. Zu Beginn wurden dabei alle Futures-Kontrakte herangezogen, die binnen eines Jahres fällig wurden. Ab 1987 waren es die Futures der folgenden neun und ab 1995 die der folgenden sechs Monate. Weil je nach Rohstoff in unterschiedlichen Abständen der nahe Future aus dem Index ausschied und ein neuer hinzukam, änderte sich die Zusammensetzung der im Index enthaltenen Futures-Kontrakte. Die Preisunterschiede der jeweiligen Futures konnten dabei nicht durch eine Anpassung der Gewichte der Kontrakte im Index ausgeglichen werden. Daher konnte man den Index nicht durch eine Handelsstrategie nachbilden, sondern nur eine Aussage über die allgemeine Preisentwicklung an den Rohstoffmärkten machen.

Ausserdem wurden die im Index enthaltenen Rohstoffe jeweils gleich gewichtet. Erdöl wog damit genaus so schwer wie Orangensaft. Die reale Entwicklung an den Rohstoffmärkten, gemessen an der Wichtigkeit eines jeden Rohstoffs, wurde somit nur bedingt abgebildet.

Seit 2005 beziehen sich nun die insgesamt 19 im Index enthaltenen Rohstoff-Futures auf einen nahe gelegenen Kontrakt, der bei Bedarf in den nächsten Kontrakt gerollt wird. Zusätzlich werden die Rohstoffe unterschiedlich gewichtet.

Die vier Kategorien

Rohstoff-Indizes sind unterteilt in vier Kategorien:
CRB Index
Die erste Kategorie „Erdölprodukte“ mit den Energieträgern Rohöl (WTI), Heizöl und unverbleitem US-Benzin erhält im Index die konstante Gewichtung von 33%. Innerhalb der Kategorie erfolgt die Gewichtung nach dem Handelsvolumen. Bei vielen Rohstoffindizes ist somit Rohöl das Schwergewicht.

In der zweiten Kategorie sind die weltweit sieben am stärksten gehandelten, also die „hochliquiden“ Rohstoffe enthalten, darunter Mais, Sojabohnen, Kupfer und Gold. Sie haben eine feste Gewichtung von jeweils 6%.

Eine gleiche Gewichtung gibt es auch in den übrigen zwei Kategorien „liquide Rohstoffe“ und „Diversifikations- Rohstoffe“.

Damit die Gewichtung der einzelnen Rohstoffe im Index konstant bleibt, muss monatlich eine Umschichtung vorgenommen und die Positionsgrößen entsprechend angepasst werden.

Die Rollproblematik

Die Rollproblematik entsteht durch das starre Rollen von Futures-Kontrakten von dem aktuell fälligen Kontrakt in den nächstfälligen. Dadurch können Rollgewinne und Rollverluste entstehen, die die Indexentwicklung verzerren.

Unterschieden werden die beiden folgenden Situationen:

Fällt die Preisterminkurve ab, was sich dadurch kennzeichnet, dass die Kurse der einzelnen Futures umso niedriger sind, je länger die Laufzeit ist, spricht man von Backwardation. Mit dem durch den Verkauf des aktuellen Futures eingenommenen Kapital kann somit die gleiche Anzahl an Kontrakten für weniger Geld erworben werden. Es entsteht ein Rollgewinn.

Beim „Contango“ steigt die Terminkurve an, die Kurse der einzelnen Futures sind umso höher, je länger die Laufzeit ist. Hier reicht das beim Verkauf eingenommene Kapital nicht aus, die gleiche Menge an Kontrakten des nächstfälligen Futures zu erwerben, es entstehen Rollverluste. Die Terminkurven der jeweiligen Rohstoffe können ständig zwischen Backwardation und Contango wechseln.

Als Benchmark nutzbar

Trotz des recht neuen Indexkonzeptes spielt der TRJ/CRB hierzulande kaum eine Rolle als Basiswert für Zertifikate und ETFs, und es sind nur wenige entsprechende Papiere auf dem Markt. Er wird aber gern als Kursbarometer hergenommen, um sich einen Überblick über die Entwicklung an den Rohstoffmärkten zu verschaffen. Genau genommen ist er aber gar nicht der älteste Index, da es die aktuelle Indexkonzeption ja erst seit 2005 gibt. Andere Indizes, wie der S&P Goldman Sachs Commodity Index (S&P GSCI) oder der Rogers International Commodity Index (RICI) werden bereits seit 1991 respektive seit 1998 in der heutigen Form abgebildet und weisen somit eine längere Historie auf. Aber auch heute noch wird der 1957 ins Leben gerufene „alte“ CRB Index ermittelt. Allerdings heißt er seit 2005 Continuous Commodity-Index (CCI).

Aufgrund seiner hohen Gewichtung im Agrarsektor könnte der CCI vor allem für die Anleger interessant sein, die in einem breit diversifizierten Rohstoffindex anlegen wollen und dabei insbesondere weiter steigende Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse erwarten, aber aus Diversifikationsgründen nicht auf einen reinen Agrarrohstoffindex setzen wollen. Allerdings ist es hierzulande nicht ganz einfach, in den CCI zu investieren. Mir ist derzeit nur der GreenHaven Continuous Commodity-Index-ETF bekannt.

US-Dollar-Effekt

Ein wichtiger Aspekt bei Rohstoffindizes ist der Einfluss des US-Dollars. Ein fallender US-Dollar lässt tendenziell die Rohstoffe steigen, weil sie zumeist in US-Dollar gehandelt werden. Daneben sorgt eine schwächere US-Währung dafür, dass Rohstoffe für Käufer außerhalb der USA wegen des Währungseffektes vergleichsweise günstiger sind. Phasen eines schwachen US-Dollars werden daher gerne genutzt, um die Läger zu füllen.

Fazit

Der TRJ/CRB Index ist also genau genommen nicht der älteste Rohstoffindex, aufgrund der langen Historie seines Vorgängers CCI aber dennoch wichtig, um sich einen Überblick über die Entwicklung an den Rohstoffmärkten zu verschaffen. Auch der alte CCI-Index ist hilfreich, da der Landwirtschaftssektor sehr stark im Index gewichtet ist, als Alternative zu reinen Agrarrohstoffindizes.

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