Keine Investment Zauberformel – John C. Bogle

Ein Buch über Index Investing vom Begründer der Vanguard Fonds

Keine Investment Zauberformel

Ein kleines kompaktes Buch zum Thema Index Investing, was aus dem deutschen Titel so nicht unbedingt hervorgeht. Etwas treffender ist da der Titel der Originalausgabe The Little Book of Index Investing: The Only Way to Guarantee Your Fair Share of Financial Market Returns (Little Book Big Profits).

John Bogle wendet sich darin an die breite Schicht der Amateuranleger mit einer einfachen Botschaft:

Gehen Sie einfach mit ihrem gesunden Menschenverstand an die Aufgabe heran: spielen Sie das Gewinnerspiel, indem Sie Unternehmen kaufen, spielen Sie nicht das Verliererspiel indem Sie versuchen, den Markt zu schlagen.

Seine Paradigmen des Indexing lauten dabei

  • langfristige Geldanlage
  • breitmöglichste Diversifizierung
  • minimale Kosten
  • die Anleger bekommen garantiert den vollen, ihnen zustehenden Anteil am Marktertrag

Es ist schon schlimm genug, dass man das Marktrisiko eingehen muss. Nur ein Narr nimmt das zusätzliche Risiko auf sich, dass er noch mehr Schaden anrichtet, indem er seinen Sparstrumpf nicht richtig diversifiziert. Umgehen Sie dieses Problem – kaufen Sie einen gut geführten Indexfonds und besitzen Sie den gesamten Markt. – William Bernstein, Autor von The four pillars of investing

Am Ende des Buches präsentiert John Bogle dann die Antwort auf die spannende Frage: Was soll ich jetzt machen?
Es gibt eine einfache Anlagestrategie: ein Portfolio aus 100% Indexfonds

  • das Anlageprogramm sollte aus 50-100% Indexfonds bestehen
  • davon 20 % in einen internationalen Indexfonds
  • der prozentuale Anleiheanteil sollte dem Alter entsprechen – konservativer Ansatz
  • 5% des Anlagevermögens kann man als Spaßgeld hernehmen, wenn man immer noch davon überzeugt ist, dass man den Markt locker schlagen kann

Wir wissen nicht, welche Erträge Aktien und Anleihen in den kommenden Jahren bringen werden. Wir wissen aber

  • dass wir so früh wie möglich anfangen müssen zu investieren
  • Geldanlage ist mit Risiken behaftet
  • wo die Erträge des Aktien und Anleihemarktes herkommen
  • wenn wir diversifizieren bleibt letztlich nur das Marktrisiko
  • die Kosten müssen möglichst niedrig sein
  • wir können weder den Markt schlagen noch den richtigen Zeitpunkt abpassen

Der Ertrag der Anlegergesamtheit nimmt mit zunehmender Bewegung ab. Tun sie nichts, sitzen Sie einfach nur herum, versuchen Sie nicht, den Markt zu schlagen. Je größer die Investmentaktivität, desto höher die Kosten für Finanzmittlerdienste und Steuern insgesamt und desto geringer der Ertrag. – Warren Buffett

Das Buch liefert keine bahnbrechende neue Geldanlagestrategie, aber es bringt die Vorteile des Indexing klar auf den Punkt und macht auch den Unterschied zwischen einem klassischen Indexfonds und einem ETF klar. Man beachte nur, dass das Buch aus der Perspektive des Gründers der Vanguard Fonds geschrieben ist!
Diskussionswürdig sind sicherlich die gewählten Beispiele und Zeiträume. Die kann ich natürlich immer so wählen, dass sie meine Aussagen gut untermauern. Verschiebe ich das Zeitfenster ein wenig, sieht das Ergebnis schon ganz anders aus.

Die Argumente für das Indexing sind verständlich und einfach dargestellt  Es wird eine klare, einfache Anlagestrategie an die Hand gegeben, die keine riesigen Renditen verspricht, aber eine moderate Rendite bei moderatem Risiko.

Hier meine Zusammenfassung des Buches aus den Punkten, die ich mir während des Lesens notiert habe.

Was bedeutet Indexing?

Um die Erträge zu realisieren, die von den Unternehmen langfristig geliefert werden, muss man die Kosten für Finanzmittlerdienste aufs äußerste reduzieren. Der Indexfonds ist eine zweckdienliche und intelligente Methode ohne jegliche Mühe und unter minimalen Ausgaben die Ertragsrate des Marktes zu erzielen. Wenn die Gier regiert, sind die KGVs hoch, wenn die Hoffnung siegt, sind die KGVs gemäßigt. Wenn die Angst umgeht, sind die KGVs niedrig.

Der Börsenertrag setzt sich aus zwei Komponenten zusammen

  1. Anlageertrag (innere Wert) = anfängliche Dividendenrendite der Aktien plus ihres späteren Gewinnwachstums
  2. Spekulationsertrag = Auswirkung der schwankenden KGVs auf die Aktienkurse

Dem wahren Investor geht es besser, wenn er den Aktienmarkt vergisst und auf die Dividendenrendite sowie die Betriebsergebnisse seiner Unternehmen achtet.

Standard & Poor’s 500

Der Standard & Poor’s 500-Index ist die Verkörperung des Aktienmarktportfolios. Er wurde 1926 geschaffen und enthält heute 500 Aktien, d.h. die 500 größten US-Unternehmen.

Anstatt der Meute der Investoren zu folgen, die sich mit komplizierten Manipulationen bemüht, die richtigen Aktien auszuwählen und dem Markt eine Nasenlänge voraus zu sein (beides sind für die Anlegergesamtheit unvermeidlich fruchtlose Aufgaben) entscheidet man sich für die einfachste Lösung von allen – man kauft und hält das Marktportfolio. – Sir William von Ockham

Wie die meisten Investoren ein Gewinnspiel zu einem Verlustspiel machen

Die simple Arithmetik ist die erste der Wissenschaften und die Mutter der Sicherheit. Schenken sie den Investmentkosten Aufmerksamkeit, sie werden leicht unterschätzt:

  1. viele Kosten sind dem Blick verborgen (z.B. Portfolio-Transaktionskosten)
  2. Fondserträge liegen in der Regel unter den Erträgen, die der Aktienmarkt bringt
  3. Konzentration auf kurzfristige Erträge ignoriert die räuberischen Auswirkungen der Kosten im Laufe eines Investmentlebens

Wenn es um Erträge geht, ist die Zeit dein Freund, aber wenn es um Kosten geht ist die Zeit dein Feind.
Der Anleger, der 100% Kapital eingesetzt hat und 100% des Risikos eingegangen ist, hat beispielsweise 31% des Marktertrags verdient. Damit haben die Finanzvermittler, die 0% Kapital und 0% Risiko übernommen haben, 70% des Ertrags vereinnahmt!

Anlageertrag = Marktertrag – Kosten

Beispiel: ein nominaler Bruttoertrag von 12,5%
– 2,5% Fondskosten
– 3,3% Inflation
= ein realer Nettoertrag von 6,7%

Es besteht die absolute Notwendigkeit einen soliden Kurs festzulegen, von dem man nicht abweicht. Indexfonds bieten geringe Kosten und das fehlen verführerischer Auswahlmöglichkeiten, die viel versprechen und so wenig halten.

Mal wieder Warren Buffett

Die größten Feinde des Aktienanlegers sind
Ausgaben – Expenses
Emotionen – Emotions

Mit Indexing liegt man 10, 15 oder 20 Jahre lang im besten 85stel der Performance.

Auch Steuern sind Kosten

Der Indexfond ist im Hinblick auf Kapitalerträge bemerkenswert steuereffizient, aber im Hinblick auf die Besteuerung von Dividenden eher ineffizient.
Der Kostenanteil eines preiswerten Indexfonds beträgt rund 0,15 Prozent .
Der nominale Anlageertrag von Aktien seit über einem Jahrhundert beträgt im Schnitt 9,5%, bestehend aus einer durchschnittlichen Dividendenrendite von 4,5% und einem durchschnittlichen jährlichen Gewinnwachstum von 5%. 0,1% pro Jahr kamen durch den Anstieg des KGV von 15 auf 18 zustande, also ein spekulativer Ertrag.

Nutzen Sie die Majestät des Einfachen

Es gelingt den Investoren nur selten, wirklich die vom Fonds berichteten Erträge zu bekommen, aufgrund der Vielzahl der auftretenden Kosten

  • Fondsgebühren
  • Ausgabeaufschläge
  • Umschlagkosten
  • Steuerkosten
  • Inflation

Einige Indexfonds haben eine Kostenquote von 0,1% und ihre Umschlagkosten gehen gegen null.
Legen Sie den Schwerpunkt auf Aktienindexfonds. Bedenken Sie sorgfältig ihre Risikotoleranz und den Anteil ihrer Anlage, den sie in Aktien investieren und weichen Sie dann nicht von ihrem Kurs ab.
Auf Marktsektoren zu wetten ist eine schwache Realität, der klassische Indexfonds für den gesamten Aktienmarkt ist die ultimative Strategie. Traditionelle, kapitalgewichtete Indexfonds des gesamten Marktes garantieren, dass Sie ihren gerechten Anteil an den Erträgen des Aktienmarktes bekommen und sie stellen so gut wie sicher, dass sie auf lange Sicht 90% oder noch mehr der anderen Investoren übertreffen.

Der ETF

Zur Erinnerung hier noch mal die Paradigmen des Indexing

  • langfristige Geldanlage
  • breitmöglichste Diversifizierung
  • minimale Kosten
  • die Anleger bekommen garantiert den vollen, ihnen zustehenden Anteil am Marktertrag

Wenn Indexfonds aber als Trading Instrument verwendet werden, so ist das kurzfristig orientierte Spekulation. Das Halten bestimmter, wenn auch breit gestreuter Marktsektoren bedeutet geringere Diversifizierung und mehr Risiko. Hinzu kommen Brokergebühren durch den Handel mit Marktsektoren- Indexfonds. Typische ETF Investoren haben keine Ahnung, in welchem Verhältnis ihr Anlageertrag zu dem Ertrag des Aktienmarktes steht.

Was hätte Benjamin Graham von Indexfonds gehalten?

Der aggressive Investor muss beträchtliches Wissen über den Wert von Wertpapieren haben. Daraus folgt, dass die Mehrzahl der Inhaber von Wertpapieren die defensive Sparte wählen sollte. Die Mehrzahl der Anleger sollte sich mit den vernünftigen Erträgen zufrieden geben, die man mit einem defensiven Portfolio erzielen kann. Sie haben weder Zeit noch Entschlossenheit oder geistige Fähigkeit die Geldanlage als Geschäft zu betreiben.
Das eigentliche Investment-Geld muss nicht durch Kaufen und Verkaufen verdient werden, sondern durch den Besitz und das Halten von Wertpapieren, die Zinsen und Dividenden abwerfen und deren Wert steigt.
Die Strategie besteht darin seinen gerechten Anteil am Aktienmarkt zu bekommen, und das ist leichter als den meisten Menschen klar ist.

Die zwei Quellen des überlegenen Ertrags von Indexfonds sind

  1. breitest mögliche Diversifizierung
  2. geringst mögliche Kosten

Der Preiswettbewerb zwischen den Indexfonds wird die Kostenquote der preisgünstigen Anbieter auf minimalem Niveau halten. Verliererspiel heißt, Geld in heißen Marktlagen in heiße Fonds zu stecken und es wieder herauszuziehen wenn die Fonds in kalten Marktlagen abkühlen – wer kennt das nicht.

John Bogle’s Regeln der simplen Arithmetik

  1. langfristig entstehen die Erträge des Aktienmarktes aus der jährlichen Dividende und dem Gewinnwachstum der börsennotierten Unternehmen
  2. die Gewinnerstrategie besteht im Besitz von Aktien und nicht im Handel mit Aktien
  3. möglichst breite Diversifizierung ist der beste Schutz des Privatanlegers vor den Risiken die mit einzelnen Aktien verbunden sind
  4. als Gruppe genommen verdienen alle Anleger den Bruttoertrag des Aktienmarktes
  5. der Bruttomarktertrag minus Kosten ergibt den Nettoertrag der Anleger als Gruppe

Was waren nochmal die größten Feinde des Aktienanlegers?
Ausgaben – Expenses
Emotionen – Emotions

Daniel Kahnemann sagt dazu: Investoren neigen zu übertriebener Zuversicht und aufgrund dessen werden Informationen fehl interpretiert und das Urteilsvermögen wird von unseren Emotionen verfälscht.
Der Gedanke, ich könnte etwas sehen, das sonst niemand sieht ist eine Illusion.
Und zum Schluss nochmal Warren Buffett

Als unwissender Anleger kann man die meisten Anlageprofis übertreffen indem man regelmäßig in Indexfonds investiert. Sobald dummes Geld seine Beschränkung anerkennt, ist es nicht mehr dumm.

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