Wann soll man Dividendenaktien verkaufen?

Viele Aktien bieten derzeit eine Dividendenrendite von 3 Prozent und mehr, während die Zinsen für Anleihen und Festgeld unterhalb der Wahrnehmungsschwelle liegen. Warum also nicht kurz vor der Hauptversammlung eines Unternehmens eine dividendenstarke Aktie kaufen, um ein paar Tage später eine schöne Ausschüttung einzustreichen? Wer zum Beispiel 100 Aktien von Siemens am Tag der Hauptversammlung im Depot hielt, konnte sich im Januar 2015 über eine Dividendenzahlung von 330 Euro freuen. Schnell verdientes Geld?Nicht ganz. Am Tag der Ausschüttung wird eine Aktie „ex Dividende“ gehandelt. Die an den Aktionär gezahlte Dividende wird vom Kurs der Aktie abgezogen. Von der Dividende zieht der deutsche Fiskus ausserdem noch 25 Prozent Kapitalertragssteuer ab.

Ein Dividendenjäger kauft kurz vor der Siemens-HV 100 Siemens-Aktien zum Kurs von 100 Euro, weil er sich auf sein eingesetztes Kapital in Höhe von 10.000 Euro 3,3 Prozent Rendite erhofft – und zwar kurzfristig. In der Realität sind seine 100 Siemens-Aktien im Depot am Dividenden-Zahltag aber nicht mehr 10.000 Euro, sondern nur noch 9.670 Euro wert – wegen des Dividendenabschlags (ohne Berücksichtigung von Kursschwankungen). Und auf die im Depot fehlenden 330 Euro, die ihm Siemens als Dividende überweist, zahlt der Anleger mindestens 82 Euro Abgeltungsteuer – der Sparer macht also ein Minusgeschäft.

Nicht selten sind die Kursverluste einer Aktie am Tag der Dividendenzahlung noch größer als der Dividendenabschlag selbst – die Aktie von Siemens zum Beispiel gab am 28. Januar 2015 um mehr als 5 Prozent nach.

Dividenden sind für Anleger und Sparer zwar hoch attraktiv, aber kein schnelles Geld.

Der richtige Zeitpunkt

Für Dividendenjäger bietet sich daher eine andere Strategie an. Sie sollten die Aktie ihres Vertrauens kurz nach der Ausschüttung kaufen – und eventuell so lange warten, bis das Verhältnis von Kurs und erwarteter Dividende eine besonders attraktive Dividendenrendite verspricht.

Unternehmen, die Jahr für Jahr verlässlich eine attraktive Dividende ausschütten, genießen das Vertrauen von Investoren und Pensionskassen. Während einer allgemeinen Börsen-Aufschwungphase steigen diese Titel dann auch häufig besonders stark. Und selbst in Zeiten stagnierender oder fallender Kurse bietet eine stabile Dividende eine gute Rendite für das eingesetzte Kapital.

Performance-Dax

Im Gegensatz zu anderen Indizes wie dem Dow Jones ist der Dax 30 kein reiner Kursindex, sondern ein Performance-Index. Das bedeutet, dass die gezahlten Dividenden der Konzerne in den Dax mit einberechnet warden. Der Dividendenabschlag wirkt sich zwar auf die betreffende einzelne Dax-Aktie, nicht aber auf den Performance-Index Dax aus.

Die gezahlten Dividenden der Dax-Konzerne machen inzwischen rund die Hälfte der Dax-Performance aus. Während der nur auf Kurssteigerungen basierende Dax-Kursindex z.B. bei rund 6200 Punkten notierte, notierte der Dax-Performanceindex bei rund 12.100 Zählern.

Für Dividendenjäger gilt: Wer Zeit mitbringt, auf die Kosten achtet und die Steuerlast minimiert, hat am Ende die größten Chancen auf eine gute Rendite.

Quelle: http://www.manager-magazin.de/finanzen/boerse/steuerfalle-dividenden-titel-nicht-kurz-vor-zahlung-kaufen-a-1027788.html
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